Unsere Wildkatzen
Clarence ist eine zierliche Wildkatze mit einem leichten Schielen, das sie sofort wiedererkennbar macht und ihr einen ganz besonderen Ausdruck verleiht.
Wer sie eine Weile beobachtet, merkt schnell, dass sie eine sehr elegante und selbstbewusste, souveräne kleine Katzendame ist. Eine ihrer auffälligsten Eigenschaften ist ihr Talent als Kletterkünstlerin. Clarence kann ohne Probleme über Zäune klettern und zeigt eindrucksvoll, wie geschickt und sicher sie sich in der Höhe bewegen kann. Wo andere Katzen zögern würden, hat sie längst den Überblick gewonnen, im wahrsten Sinne des Wortes. Ihr Name, der von einem stattlichen Löwen aus der Serie "Daktari" stammt, passt zu dieser Mischung aus Anmut und Entschlossenheit sehr gut. Clarence weiß, was sie will, und findet auch fast immer einen Weg dorthin, gerne auch über den Zaun.
Kaiser Friedrich, bei uns Fritzi genannt, ist der älteste Kuder in unserer Gruppe und verkörpert Ruhe und Gelassenheit. Er ist der Typ Wildkatze, der selten in Hektik verfällt und dem seine Lebenserfahrung deutlich anmerken kann. Häufig findet man ihn an einem seiner Lieblingsplätze, wo er entspannt liegt und seine Umgebung in aller Ruhe beobachtet.
Zur ersten Fütterung muss Fritzi nicht selten aus seinem Nickerchen geweckt werden, denn für ihn darf der Tag gerne gemütlich beginnen. Trotz dieser Gelassenheit entgeht ihm kaum etwas: Wenn es daruaf ankommt, ist er aufmerksam und wach, beobachtet er seine Umgebung und passt dabei stets auf seine kleine Schwester Clarence auf. Fritzi ist ein ausgesprochen lieber Kerl, den man schnell ins Herz schließt. Seine entspannte Art sorgt für eine angenehme Atmosphäre im Gehege und macht ihn zu einer Art "Ruhepol", der sich bei den Fütterungen immer wieder von seiner besten Seite zeigt.
Kaiser Karl, den wir aber vor allem Karlo nennen, fällt vor allem durch seinen gesunden Appetit und seine beeindruckende Kondition beim Fressen auf. Sein persönlicher Rekord liegt bei rund 20 Küken, die er nacheinander verspeist hat. Entsprechend aufmerksam verfolgt er jede Bewegung, die nach Fütterung aussieht, und ist meist einer der Ersten, der sich vorne an der Gehegtür einfindet, wenn die Fütterung losgeht. Trotz seines starken Appeties ist Karlo kein rücksichtloser Draufgänger, sondern ein wahrer Gentelman. Besonders deutlich wird das, wenn Clarence, seine Herzensdame, sich mal wieder zu ihm ins Gehege verirrt. In solchen Momenten zeigt er sich erstaunlich großzügig und überlasst ihr sogar einen Teil seiner begehrten Portion. Neben seiner Athletik und seinem Futterinteresse zeigt Karlo damit eine ganz andere Seite von sich, mit der wir auch nie gerechnet hätten. Es ist ein wahrer Prachtkerl, den viele unserer Besucher*innen von Anfang an ins Herz geschlossen haben, und immer für gute Laune sorgt, wenn wir etwas über ihn und seine außergewöhnlichen Fressgewohnheiten erzählen.
Monti und Maxi haben eine besonders bewegende Vergangenheit. Sie stammen beide aus der freien Wildbahn und wurden als Jungtiere an der Autobahn gefunden. Ihre Mutter wurde wahrscheinlich überfahren. Beide wurden bei uns aufgenommen und aufgepäppelt. Beide dürfen mit Unterstützung der Behörden bei uns bleiben. Ihre Charaktere sind völlig unterschiedlich. Monti ist der Abenteuerer und Maxi ist die ruhige, zurückhaltende Beobachterin. Beide liegen besonders gern in der Sonne und genießen die warmen Strahlen. Sobald am Abend Ruhe einkehrt und keine Besucher mehr da sind, gehen die beiden in ihrem Gehege auf Entdeckungsreise und suchen das Abenteuer.
Kaiser Heinrich II, bei uns Heini genannt, ist tatsächlich eine kleine, ganz charmante Wildkatzendame, die eigentlich viel mehr eine Henriette ist. Bei ihrer Ankunft bei uns hielt man sie für einen Kater, doch später stellte unser Tierarzt fest, dass es sich doch um eine divenhafte Katze handelt, so wie wir das immer geahnt haben. Sie ist ein schönes Beispiel dafür, wie sich Tiere mit der Zeit an Veränderungen anpassen: Ihr Gehör ist nicht mehr das Beste, dafür verlässt sie sich inzwischen um so stärker auf ihren feinen Geruchssinn. So findet sie zuverlässig ihr Futter, wenn akkustische Reize nicht mehr so deutlich wahrnehmbar sind. Bei der Fütterung kann es vorkommen, dass Heini die Tierpfleger kurz selbst als Beuteähnliches hält, die zuerst "erlegt" werden müssen, bevor sie sich dem eigentlichem Futter widmet. Heini liebt sonnige Plätze und verbringt viel Zeit gut geschützt zwischen Sträuchern, wo sie Energie sammelt. Von dort aus, startet sie immer wieder neue Jagdversuche, wo sie eindrucksvoll zeigt, was ein "Ansitzjäger" ist. Heini ist eine total niedliche Katzendame, die mit ihrem verschmitzten Blick und ihrem plüschigen Fell schon fast an ein Stofftier erinnert, welches man am liebsten kuscheln würde. Aber unsere Heini darf keinesfalls unterschätzt werden, denn auch sie hat es faustdick hinter den Ohren.
Unsere Hauskatzen Karli und Stewart gehören auch zu unseren Katzen, sie haben jedoch nicht viel zu tun mit den europäischen Wildkatzen. Stewart ist der Mutigere der beiden - gerne behält er alles im Blick, ob aus dem Kassenhaus oder bei seinen Spaziergängen auf der Ausstellung. Natürlich beobachtet er auch ganz genau, dass wir unsere Arbeit richtig machen, Er begleitet die Fütterungen und zeigt ganz genau, wie sich Wild- und Hauskatze voneinander unterscheiden. Besucherumfragen führt er persönlich durch, in Form von Streicheleinheiten. Karli ist etwas schüchterner, er zieht sich gerne zurück und überlässt damit Stewart die Tagesschicht. Das hält ihn jedoch nicht davon ab, seine Meinung laut mitzuteilen. Wenn man ihn richtig kennenlernt, ist er sehr redselig und kuschelbedürftig. In der Dämmerung beginnt dann seine Schicht, mutig wird das Gehege abgelaufen und kontrolliert.





